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Text written by :

> Anna Schetelich (D)
> Helen Britton (E,D,F)
> Samantha Font-Sala (E,D,F)

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Text by Anna Schetelich, Galerie OONA 2002

Der Schmuck ist… dekadent. Lakonisch. Er unterläuft alles.

Felix Lindner ist 29. Er setzt Bilder ins 21. Jahrhundert, die jeder versteht und doch keiner als Klassiker bezeichnen würde. Oder ist er 79 und hat im Jahr 2053 erkannt, dass im 20. Jahrhundert diese Neuen Klassiker entstanden sind?
Dabei handelt es sich nicht einmal um Bilder des 20. Jahrhunderts:
Kinder haben Kirschen bestimmt immer schon als Ohrringe benutzt, Muscheln prägten den Begriff Rokoko: „grottenartig verbautes Geröll oder Muschelwerk“, Totenköpfe hatten schon vor Tausenden von Jahren kultische und damit im weitesten Sinne klassische Bedeutung, der Eiffelturm ist ein mutiger Emporkömmling aus dem 19. Jahrhundert, der ursprünglich sofort nach der Weltausstellung demontiert werden sollte.
Und doch berühren diese „Andenken“ Themen der Massenkultur des 20. Jahrhunderts:
Die Kirschen kennen pop art.
Muscheln sind ein Synonym für Urlaub. Der amerikanische Tonfilm liebt den Eiffelturm als Symbol der „Stadt der Liebe“. In Comics und für Motorradgangs etc. wird der Totenkopf zur provokativen Chiffre der dunklen Seiten des Lebens.
Felix Lindner ist intuitiv. Und raffiniert.
Ihn interessiert allein die Schmucktauglichkeit der gewählten „Klassiker“. Er schert sich nicht um irgendeine Relevanz. Aber er spürt das Spannungsfeld aus Zeit, Bildern und dem ständigen Versuch, aus einer Flut immer neuer Dinge, Bilder, Zeichen und Chiffren Klassiker herauszuschälen bzw. zu etablieren. Er nimmt das Thema ernst und spielt damit verschmitzt und sehr präzise.
Felix Lindner ist mit Leidenschaft Goldschmied. Er zelebriert in jedem seiner Schmuckstücke handwerkliche Perfektion, ohne deren enormen Aufwand sichtbar zu machen. Verschwenderisch dekadent überzieht er einen winzigen Totenkopf aus Gold mit einer schneeweissen Emallschicht. Das Gold schimmert aus der Tiefe der Augenhöhlen und den Zahnzwischenräumen hervor.
Felix Lindner leistet sich dieses Vergnügen am Edlen, Aufwendigen, das den Luxus der Langsamkeit beansprucht.

Das komplette Spektrum von „souvenirs du XXeme siecle“ weist Felix Lindner als Flaneur aus, der seinen Blick scheinbar endlos schweifen lässt, bis ein Gegenstand sein Interesse weckt und er das Spezifische daran intuitiv erfasst. Mit seinen hochkarätigen goldschmiedischen Mitteln versucht er immer, diesen ersten Eindruck eines Gegenstandes wachzuhalten. Mehr noch, der gesamte Arbeitsprozess, aufwendige „unsichtbare“ Broschierungen aus Gold etc., unterstützt und umgarnt den Gegenstand, der immer er selbst bleibt.
Dies ist ein hochmoderner Vorgang: alle, die mit Computern arbeiten, treiben backstage einen enormen Aufwand, um ein Bild zu präsentieren, das inhaltlich immer dasselbe bleibt. In dieser ebenso selbstverständlichen wie eleganten Zurschaustellung des Prinzips backstage zeigt sich eine fundamentale Fähigkeit, zu erkennen – und eine enorme künstlerische Potenz. Ready made und Pop Art-Strömungen, die die Bildenden Künste im letzten Jahrhundert revolutionierten, setzt Felix Lindner voraus, um einen winzigen japanischen Cadillac mit einer goldenen Bodenplatte auszustatten, den man sich als Brosche z.B. ans Revers heften kann…
raffiniert, beiläufig, cool.
Insider der fashion scene beeindrucken sich gegenseitig mit Geheimwissen: vier weisse Stiche auf der Rückseite eines
T-Shirts stehen in der Attitüde der Beiläufigkeit als Code für den – inzwischen etablierten – Designer Martin Margiela. Codes oder Logos stehen für einen Namen oder ein Image oder einen Riesenapparat dahinter und haben in ihrer Zeichenhaftigkeit etwas Uneigenständiges, Referentielles. Felix Lindner erkennt die Schönheit solcher zeichenhaften, eher reduzierten Bilder.
Mit der Pepsi-Brosche, dem No. 1 Ring, den Aluminiumbroschen und dem gravierten Gold-Clip bedient und unterläuft Felix Lindner dieses Insider-Prinzip. Zeichenhaft wie Codes oder auch Logos, sind sie vor allem eigenständige Schmuckobjekte.


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. Text by Helen Britton 2002

Celebrations of 20th century adventures

When I'm at the beach, enjoying a holiday and I find a sea shell with a perfect lustre, I think of Felix.
In Paris, marvelling at the various representations of the Eiffel tower, I also think of Felix.
I am in Vienna, and come across an old coin operated toy dispenser on a street corner. Through the small glass panel, in an unobtainable position, I can see a great key chain with a scull. Felix again!
Cherries are one of life's great edible joys and they are the quintessence of Summer in Europe. There he is again or his jewellery at least.
Felix presents us with hyperreal souvenirs, celebrations of 20th century adventures. These jewels allude to risky experiences: kinder surprise, nightclubs, letting your babe drive your car, and they saturate the desire to hold on to these moments of contemporary wonder in the preciousness of their materials and the perfection of their making.
Somewhere in the beautifully blurred boundaries of fashion, art, design and old world skill the empire of the New Classics is being built by Felix Lindner.

Geschichten über Abenteuer des 20. Jahrhunderts
Wenn ich Ferien am Strand mache und eine besonders schöne Muschel mit perfektem Glanz finde, dann denke ich an Felix.
In Paris bewundere ich die mannigfaltigen Darstellungen des Eiffelturms und denke an Felix.
Ich bin in Wien und komme an der Strassenecke bei einem alten, münzbetriebenen Spielzeugautomaten vorrüber. Durch die Glasscheibe, an unerreichbarem Ort, kann ich einen Totenkopf-Schlüsselanhänger erkennen. Wieder Felix!
Kirschen gebören zu den grossartigsten kulinarischen Freuden des Lebens - in Europa sind sie die Quintessenz des Sommers. Er ist wieder da, sein Schmuck zumindest.
Felix Lindner präsentiert uns hyperrealistische Souvenirs von Geschichten über Abenteuer des 20. Jahrhunderts. Sein Schmuck ist eine Anspielung auf ziemlich gefährliche Erfahrungen:„KinderŸberraschung“, Nightclubs, letting your babe drive your car, und erfüllt in seiner Kostbarkeit und exzellenten Ausführung das Verlangen, diese wunderbaren Augenblicke anzuhalten.
Irgendwo im herrlich verschommenen Grenzgebiet von Mode, Kunst, Design und handwerklicher Tradition errichtet Felix Lindner das Königreich der Neuen Klassiker.

Célébration des aventures du 20ème siècle
Quand je suis à la plage, profitant de mes vacances et que je trouve un coquillage parfaitement nacré je pense a Felix.
A Paris, m'émerveillant devant les innombrables représentations de la tour Eiffel, je pense aussi à Felix.
Je suis à Vienne, et arrive denant un vieux distributeur de jouets au coin d'une rue. A l'intérieur, intouchable, je peux voir un magnifique porte-clé tête de mort. Encore Felix!
Et les cerise … un des plus grands plaisirs de la vie qui incarnent la quintessence de l'été en Europe. Là encore, il est là ou tout du moins ses bijoux!
Felix nous présente à travers ses souvenirs hyperréallistes, la célébration des aventures du 20ème siècle. Témoins de maintes experiences périlleuses: les „kinder surprise“, les nightclubs, laisser „your babe drive your car“ ses bijoux, dans la préciosité de leurs matériaux et la perfection de leur réalisation, deviennent alors la mémoire de ces merveilleux moments contemporains.
Quelque part entre mode, art, design et la tradition du savoir faire l'empire des Nouveaux Classiques est en train d'être établit par Felix Lindner.

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. text by Samantha Font-sala 2002

Quand on regarde les bijoux de Felix Lindner, on ne peut s'empêcher de penser à.
Penser à notre enfance et toutes ces choses que l'on a découvert avec de grands yeux, à nos meilleures vacances au bord de la mer, au dernier numéro de Vogue (franais ou italien) qu'on a feuilletté, à la Peinture Baroque dans ces plus petits détails, et à Paris dans toute sa splendeur! Une chose est sûre, ce garçon fait du sampling.
Mais Felix lui, à quoi il pense là comme ça quand on lui demande ? à …
… Pepsi,Yves Chaland, Amsterdamse School, Alain Resnais / les affiches de Floch', Mini Cad, Takeshi Kitano (films et chemises), Illy, the beastie-boys, Margiela, Dominique Perrault (prés du Bvd. Périférique), Genova, Moodymann, Nice, les classiques d'Adidas, Federico Fellini / Marcello Mastroianni et La „Dolce Vita“, Experimental Jetset, Jean-Pierre Léaud, Fiat Panda (en beige), Lego, Power Macintosh 4400 / 200, Dial history de Johan Grimonprez, Joost Swarte, The Art Ensemble of Chicago, John Lurie dans „Stranger than Paradise“, le duo Nancy Sinatra & Lee Hazelwood, Technics, Devo, Floppy Disk / Audio Cassette / vinyl, Samantha

Betrachtet man den Schmuck von Felix Lindner denkt man unweigerlich an …
… an unsere Kindheit und an alle Dinge, die wir mit staunenden Augen entdeckt haben, an unsere schönsten Ferien am Meer, an die letzte Ausgabe von Vogue (französisch oder italienisch), die wir durchgeblättert haben, an Barockmalerei in ihren kleinsten Details, und an Paris in seiner ganzen Pracht! Eins ist sicher: der Junge betreibt sampling.
Aber woran denkt Felix, wenn man ihn einfach so fragt? an…
… Pepsi,Yves Chaland, Amsterdamse School, Alain Resnais / die Plakate von Floch’, Mini Cad, Takeshi Kitano (Filme und Hemden), Illy, the beastie-boys, Margiela, Dominique Perrault (neben dem Bvd.Périférique), Genova, Moodymann, Nice, die Klassiker von Adidas, Federico Fellini / Marcello Mastroianni and „La Dolce Vita“, Experimental Jetset, Jean-Pierre Léaud, Fiat Panda (beige), Lego, Power Macintosh 4400 / 200, Dial history from Johan Grimonprez, Joost Swarte, The Art Ensemble of Chicago, John Lurie in „Stranger than Paradise“, Nancy Sinatra & Lee Hazelmood, Technics, Devo, Floppy Disk / Audio Cassette /12” records, Samantha

If you look at the jewellery of Felix Lindner you’ll inevitably think about.
Think about childhood and all the things that we’ve discovered with big eyes wide open, about the most wonderful holidays at the beach, about the latest issue of Vogue magazine (french or italien) that you’ve loobed at, about Baroque painting in its tiniest details, and about Paris as splendid as you can imagine! One thing is for sure, this boy is sampling.
But Felix what the f*ck is he thinking about?
eh, Pepsi, Yves Chaland, Amsterdamse School, Alain Resnais / the posters by Floch’, Mini Cad, Takeshi Kitano (movies and shirts), Illy, the beastie-boys, Margiela, Dominique Perrault (next to the Bvd. Périférique), Genova, Moodymann, Nice, the classic Adidas, Federico Fellini / Marcello Mastroianni and „La Dolce Vita“, Experimental Jetset, Jean-Pierre Léaud, Fiat Panda (beige), Lego, Power Macintosh 4400 / 200, Dial history from Johan Grimonprez, Joost Swarte, The Art Ensemble of Chicago, John Lurie in „Stranger than Paradise“, Nancy Sinatra & Lee Hazelmood, Technics, Devo, Floppy Disk / Audio Cassette /12” records, Samantha

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